Statement zu den Vorteilen regionaler Lebensmittel

Bei der Infoveranstaltung „Importe aus Drittstaaten gefährden den heimischen Süßkirschenanbau“ der Fachgruppe Obstbau Bonn/Rhein-Sieg, 26.06.2019

Bernhard Burdick, Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen e.V.
Gruppenleiter Lebensmittel und Ernährung, bernhard.burdick@verbraucherzentrale.nrw 40215 Düsseldorf

Obst und Gemüse, das in der Nähe gewachsen ist, muss nicht weit transportiert werden. Wird es in der Saison geerntet, fallen ebenfalls weite Transporte und der energieintensive Anbau im Gewächshaus weg. Der mögliche geringere Energieverbrauch und damit Klimaschutz regionaler und saisonaler Lebensmittel ist für viele Verbraucher nicht einmal das wichtigste Argument. Solche Lebensmittel können ausreifen und schmecken besser, weil sie frisch sind und nicht schon halbreif geerntet wurden. Die Nähe schafft Vertrauen und Transparenz, was in globalisierten Märkten immer wichtiger wird. Landwirtschaft, Lebensmittelhandwerk und damit Infrastruktur und Arbeitsplätze vor Ort bleiben erhalten. Viele regionale Erzeugnisse werden im Rahmen der Landschaftspflege erzeugt. Beispiele sind Apfelsaft aus Streuobstwiesen oder Fleisch von Rind und Lamm aus Beweidungsprojekten. Damit wird der Erhalt von Kulturlandschaft und Artenvielfalt unterstützt. Fazit:  Selbst wenn die Energiebilanz z. B. bei sehr kleinteiliger Logistik einmal nicht positiv sein sollte, haben regionale Lebensmittel noch viele andere Vorteile und sind eindeutig nachhaltiger.

Beispiel Kirschen:
Der LKW-Transport von einem Kilo Kirschen aus der Region – Umkreis von maximal 250 km – verbraucht 25-30 ml Erdöl. Kommen die Kirschen z. B. aus Italien, steigt der Verbrauch auf 100 bis 150 ml Erdöl. Werden die Kirschen aber z. B. aus der Südtürkei importiert, so steigt der Verbrauch auf etwa 250 ml Erdöl, zumindest per LKW. Werden die Kirschen eingeflogen, dann verbraucht dies für 1 Kilogramm Kirschen etwa 1,5 kg Erdöl – mit entsprechend 6-facher Klimabelastung (nach Koerber, K. (2012) nachhaltige Ernährung – Essen für die Zukunft, Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten). Auch Obstkonserven und Tiefkühlgemüse verursachen deutlich mehr Treibhausgase als die saisonalen, unverarbeiteten Varianten aus der Region. Erzeugung, Transport und Vermarktung z. B. von regionalen Tomaten aus einem unbeheizten Folientunnel verursacht etwa 0,6 kg CO2-Äquivalent pro kg Tomaten, im beheizten Gewächshaus liegt dies bei etwa 2,5 - 3 kg CO2-Äquivalent pro kg Tomaten. Da kann beispielsweise der Import von Tomaten aus Spanien, die dort außerhalb der Saison in Deutschland im unbeheizten Folientunnel gewachsen sind, trotz langem Transport mit etwa 0,9 kg CO2-Äquivalent pro kg Tomaten deutlich weniger Energie verbrauchen, als Tomaten aus beheizten Gewächshäusern in D. (Reinhardt, G. (2014) ifeu Institut. Vortrag beim Informationstag des Evang. Bauernwerks in Württemberg).

Bei Äpfeln dagegen ist die Lagerung regionaler Äpfel im Kühllager selbst über ein halbes Jahr weniger energieintensiv als der Transport von Äpfeln aus Südafrika oder Neuseeland. Die 5-monatige Obstlagerung im Winter in Deutschland verbraucht 0,8 MJ/kg Äpfel im Vergleich zum Überseetransport mit dem Kühlschiff aus Neuseeland bzw. Südafrika mit 2,83 bzw. 1,45 MJ/kg Äpfel. (Blanke M. u. Burdick B.; Erwerbs-Obstbau (2005) 47:143–148). Wie erkennt aber ein Verbraucher Lebensmittel aus der Region? Leider immer noch schlecht! Der Begriff der Region ist nicht definiert oder gesetzlich geschützt. So wird oft mit Begriffen wie "Von hier" oder "Aus der Region" geworben, die Region ist dann aber viel größer, als Verbraucher erwarten, manchmal kommen die Produkte nur aus Deutschland. Das überrascht in Zeiten digitalisierter Logistik. Im Lebensmittelhandel kann man Produkte aus der Region zumindest am Regionalfenster erkennen https://www.regionalfenster.de/). Darauf ist die Region konkret angegeben. Oft entspricht die Region aber nicht den Vorstellungen aus Verbrauchersicht, da auch mehrere Bundesländer als eine Region angegeben sein können. Mittlerweile gibt es mehr als 4.200 Produkte mit dem Regionalfenster im Handel. Das könnten mehr sein! Hofläden und Bauernmärkte bieten oft die Möglichkeit zum Kauf regionaler Lebensmittel. Je näher die LM an die Verbraucher gebracht werden können, umso leichter fällt der Einkauf und umso besser ist die Klimabilanz. Wer mit dem Auto raus zum Hofladen fährt, braucht sich aber über die ökologischen Vorteile regionaler Lebensmittel keine Gedanken mehr machen, die gibt es dann nicht mehr.

Bewertet man die verschiedenen Abschnitte der Wertschöpfungsketten von Lebensmitteln, kann es schnell unübersichtlich werden. Noch schwieriger ist die Frage, wie man mit den verschiedenen Kriterien und Aspekten und möglichen Zielkonflikten umgeht. Beispiel: Ist ein konventionelles LM aus der Region besser als ein importiertes Bio-Lebensmittel? Was Verbrauchern auch wichtig ist neben Regionalität und Wissen, wo etwas herkommt, ist vor allem der Geschmack und die möglichst geringe Belastung mit Pflanzenschutzmitteln. Der Geschmack hängt vor allem von der Sorte ab, da kennen Sie sich am besten aus. Zum Thema Pflanzenschutz bleibt zu sagen, dass es da noch Verbesserungsbedarf gibt. Nach dem aktuellen Pestizidreport des NRW-Landesministeriums sind bei Süßkirschen die Unterschiede in der Belastung zwischen türkischer und deutscher Ware nur gering. Vorschläge aus Verbrauchersicht: - Bündeln Sie Ihre Angebote, um besseren Zugang in die Lebensmittelmärkte (Bauernmärkte und Bauernläden, Handelsketten, Marktschwärmer) zu bekommen. - Setzen Sie sich für eine ernsthafte Klimaschutz-Politik ein, auch damit Ihnen nicht das Wasser ausgeht. Nur eine Klima- oder CO2-Abgabe mit Lenkungswirkung kann dazu beitragen, dass sich Billigimporte über große Entfernungen oder gar per Flugzeug nicht mehr lohnen.

Setzen Sie sich für gute Qualität, für guten Geschmack und eine gute und wahre Geschichte ihrer Produkte ein, damit bleiben Sie konkurrenzfähig. Immer mehr Verbraucher schätzen dies und sind bereit, mehr zu zahlen. Dazu gehört aber auch eine deutlich geringere Belastung mit Pflanzenschutzmitteln.

Bild von 2019
Text- und Bildbearbeitung: Elmar Schmitz-Hübsch; Franz Bellinghausen
Quelle: Foto: Elmar-Schmitz-Hübsch
Zur Verfügung gestellt von Fachgruppe Obstbau Bonn Rhein-Sieg; Text

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Raum: Fachgruppe Obstbau Vitrine: Veranstaltungen
Galerie: Info-Veranstaltung am 26.06.2019
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